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Häufig gestellte Fragen

Wir haben Georges Mougin und François Mauviel die nachstehenden 20 Fragen gestellt:

1. Wem gehören Eisberge? Stehen sie zur freien Nutzung zur Verfügung?
Innerhalb der Hoheitsgewässer fallen sie unter innerstaatliches Recht.

Auf hoher See hingegen sind sie "Res nullius", also niemandes Eigentum, und werden wie Schiffswracks zum Eigentum jener Einheit, die sie unter Kontrolle bekommt.

2. Kann Ihr Projekt ausschließlich mit Tafeleisbergen funktionieren? Oder würde es auch mit Eisbergen anderer Formen klappen?
Tafeleisberge weisen eine einheitliche, regelmäßige Form auf. Aufgrund des optimalen Verhältnisses zwischen Gesamtfläche und Volumen sind der Transport und die Nutzung von Eisbergen praktisch nur mit Tafeleisbergen möglich.

3. Wie leicht und wo sind Tafeleisberge zu finden?
In der Arktis treiben vom Grönländischen Eisschild (Inlandeis) abgespaltene Tafeleisberge von Grönland und Labrador an die Ostküste Neufundlands ab. In der Antarktis sind hingegen fast alle Eisberge Tafeleisberge, also Fragmente des Schelfeises. Sie treten vermehrt in der Nähe der Weddell-See im südlichen Atlantik auf.

4. Wie sieht es mit dem möglichen Umweltrisiko bei der wirtschaftlichen Nutzung von Eisbergen aus: Ein Anstieg des Meeresspiegels? Eine Abspaltung des Inlandeises?
Das Kalben des Inlandeises durch Eisberge könnte den Meeresspiegel erhöhen, falls dort weniger Schnee abgelagert ist. Ein Abschmelzen schwimmender Eisberge kann den Meeresspiegel nicht beeinflussen. Packeis ist Meereseis, das keine Verwandtschaft mit Eisbergen aufweist.

5. Und wie steht es um das mögliche Risiko einer übermäßigen Ausbeutung von Eisbergen?
Jährlich werden so umfangreiche Eisbergmassen abgespalten (300 bis 500 Mrd. Tonnen), dass kein Risiko einer übermäßigen Ausbeutung besteht. Nur einige wenige Tausend Tonnen könnten eventuell transportiert werden.

6. Was passiert, wenn sich auf dem bestgeeigneten Eisberg eine Robbenherde oder ein Eisbär aufhält?
Das Freibord eines Eisbergs (10 bis 20 Meter) bietet für Robben keinen Lebensraum. Eisbären wiederum ernähren sich auf dem Packeis.

7. Warum nutzen Sie die Eisberge nicht direkt vor Ort und errichten eine eigene, schwimmende Trinkwasserfabrik, statt die Eisberge abzuschleppen?
1. Grund: An Orten, wo Eisberge natürlich vorkommen, ist keine Energie für den Schmelzprozess vorhanden.
2. Grund: Der Transport von Eisbergen ist wesentlich günstiger als die Verschiffung des Wassers mit dem Tanker. Ein kleiner 10-Millionen-Tonnen-Eisberg aus der Arktis würde eine Kapazität von 50 bis 100 großen Tankern erfordern!

8. Was sind mögliche Zielhäfen für die abgeschleppten Eisberge?
Je nach den herrschenden Winden und Strömungen sowie der Erdrotation handelt es sich bei den praktikablen Destination für Eisbergtransporte um die Westküste von Kontinenten, beispielsweise Marokko und Namibia (Afrika), West- und Süd-Australien, Chile, Peru und Kalifornien..

9. Kann der Eisberg während des Transports brechen? Wie lässt sich dies vermeiden?
Das Bruchrisiko ist minimal, durch Ultraschalluntersuchungen aus der Luft können bruchgefährdete Eisberge beim Auswahlprozess eliminiert werden.

10. Kann das Netz bzw. die Schutzhülle während des Transports reißen? Wie lässt sich dies vermeiden? 
Das Risiko einer Beschädigung des Netzes oder der Schutzhülle ist minimal. Es gibt weder Vibrationen noch einen Aufprall, und das Abschleppseil besitzt eine natürliche Elastizität.

11. Der Eisberg-Konvoi wird unterwegs eine Reihe von unterschiedlichen Ökosystemen durchqueren. Was sind die Auswirkungen auf lokales Plankton und andere Fischarten, die empfindlich auf Temperaturschwankungen reagieren?
Die Größe der Eisberge ist ziemlich gering im Vergleich zum riesigen Meer. Der Impakt auf das Ökosystem kann also vernachlässigt werden.

12. Was passiert, wenn der Konvoi einen Ölteppich durchquert?
Öl schwimmt an der Wasseroberfläche. Eine Begegnung mit einem Ölteppich verschmutzt daher lediglich die Schutzhülle an der Treiblinie und hat keine Konsequenzen für den Eisberg selbst.

13. Was passiert, wenn ein beschädigtes Schiff die ursprüngliche Transportroute des Konvois blockiert?
Hindernisse werden per Radar zig Meilen im voraus erkannt. Aufgrund der niedrigen Reisegeschwindigkeit bleibt jede Menge Zeit für ein Ausweichmanöver.

14. Planen Sie, den Eisberg am Einsatzort zu verankern oder festzumachen?
Das Festmachen oder Verankern des Eisbergs erfolgt über den Gurt und entspricht der Vorgehensweise bei einer Offshore-Ölplattform.

15. Benötigen Sie eine spezielle Genehmigung, um einen Eisberg in Gebiete wie die Kanaren zu bringen?
Vor Beginn des Transports wird die genaue Zieldestination bestimmt, die Befestigungseinrichtungen werden vorbereitet.

16. Was sind die Auswirkungen des Eisbergs auf eine geografische Zone, in der Eisberge nicht natürlich vorkommen? Auf die Fauna und Flora? Auf das lokale Klima? Entsteht dadurch nicht Nebel über dem Eisberg?
Die Größe des Eisbergs ist im Verhältnis zum Ozean gering, deshalb kann die Beeinflussung von Fauna und Klima vernachlässigt werden. Etwaige Nebelbildung beschränkt sich auf den Bereich direkt über dem Eisberg und löst sich schnell auf.

17. Wie wollen Sie den Eisberg am Zielstandort nutzen?
Die Ausbeutungsprozesse hängen von der Einsatzart des Eisbergs ab: Eine vollständige Nutzung des Eisbergs würde die Energieerzeugung aus Eis, die Nutzung von Kältequellen für Klimaanlagen sowie die Gewinnung von Süßwasser für den Verbrauch umfassen. Denn einer der wichtigsten Wertfaktor der Eisbergmasse ist seine Latentwärme. Für die Energieerzeugung wird in einem Becken mit wärmeisolierten Beckenrand ein "Schlamm" aus zerkleinertem Eis erzeugt. Im Kondensator des Wärmeprozesses wird - ebenso wie bei einer OTEC-Anlage - die Latentwärme des Eises absorbiert, und Wasser mit niedriger Temperatur versorgt den Wärmetauscher der Klimaanlage. Das freigesetzte Wasser wird anschließend bis zum Verbrauchsort geleitet. Soll lediglich Wasser produziert und nicht gleichzeitig auch Energie erzeugt werden, so wird der Eisberg mit Hilfe des Meereswassers in schmale Stücke zertrennt. Anschließend werden diese Stücke in wasserdichte Säcke gefüllt.

18. Wie können Sie sicher sein, dass das Wasser des Eisbergs absolut rein ist?
Das Eis der Eisberge geht auf die Ansammlung von Schnee seit Tausenden von Jahren zurück. Die heutige Umweltverschmutzung bliebe auf die Oberfläche beschränkt und würde durch den Schmelzprozess eliminiert werden.

19. Wie viele Menschen würde ein 7 Millionen Tonnen schwerer Eisberg für ein Jahr mit Wasser versorgen?
7 Millionen Tonnen Eis bzw. Wasser könnten des Jahresverbrauch von 35.000 Personen abdecken.

20. Meinen Sie nicht, dass Sie beim Abschleppen von Eisbergen den Zauberlehrling spielen?
Alle Eisberge unterliegen einem natürlichen Schmelzprozess. Durch den Transport an ein im voraus definiertes Ziel ändert sich nur der Ort, an dem das Abschmelzen erfolgt und Frischwasser genutzt werden kann, statt einfach ins Meer zu fließen.

Haben Sie weitere Fragen an Georges Mougin? Bitte schicken Sie uns ein E-mail, wir werden uns um eine Anwort bemühen. Vielen Dank!

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