Serie Internationale Führungskräfte

Ein Gespräch mit Marcus Bryson, Chief Executive of Aerospace and Land Systems, GKN

Seit 1993 übernimmt GKN Aerospace Unternehmen mit Know-how in den Bereichen Präzisionsfertigung, Flugzeugkomponenten und Materialtechnologien, um zu einem der leistungsfähigsten Zulieferer der Welt für Erstausrüster zu werden. Ein großer Teil des Wachstums von GKN war unter der Führung von Chief Executive Officer Marcus Bryson zu verzeichnen. Im Januar wird er die Position als Präsident der ADS (Aerospace Defence Security) Gruppe, des größten Unternehmens Großbritanniens im Bereich Luft- und Raumfahrt/Verteidigung/Sicherheit übernehmen. Diese Funktion wird er zusätzlich zu seiner Rolle als Mitvorsitzender der strategisch wichtigen britischen Partnerschaft für Raumfahrt und Wachstum ausüben. Im Interview mit Tony Velocci, dem ehemaligen Chefredakteur von Aviation Week & Space Technology, spricht Bryson über die Zukunft von GKN, und zwar was ein führendes Unternehmen bedeutet, sowie über seine Vision für die britische Verteidigungsbranche.

Auszug

Die Luft- und Raumfahrtbranche ist so umkämpft, wie ein Industriezweig nur sein kann, insbesondere auf den Märkten, auf denen GKN tätig ist. Inwiefern unterscheidet sich die Unternehmenskultur von GKN von der Konkurrenz?

GKN hatte sehr klein angefangen und wir haben es geschafft, stets das zu bewahren, was ich die „DNA eines Kleinunternehmens“ nenne. Wir sind ziemlich schlank organisiert und wir sind flexibel, sodass das Unternehmen schnell Entscheidungen treffen kann. Es ist sehr wichtig, dass wir, während wir wachsen, diese Kultur bewahren.

Das andere herausragende Merkmal von GKN ist, dass ein beträchtlicher Prozentsatz unseres Umsatzes in die Technologieentwicklung investiert wird, die sehr erfolgreich ist. Unsere Basis im Konstruktionsbereich war immer sehr solide. Unsere Kunden betrachten die von uns entwickelten Technologien zunehmend als ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal.

 

Die Situation in der Luft- und Raumfahrtbranche stellt heutzutage viel größere Herausforderungen, da die Kunden an alle ihre Zulieferer höhere Ansprüche stellen. Wie passt sich GKN aus Ihrer Sicht an dieses schwierigere Umfeld an und was ist Ihrer Meinung nach der beste Beleg dafür, dass das Unternehmen dabei erfolgreich ist?

Vor kaum mehr als 10 Jahren beurteilten einige Kunden die Leistung der Zulieferer danach, ob die Erwartungen erfüllt wurden, unabhängig davon, ob sie das Produkt am 1. oder am 31. August lieferten. In beiden Fällen war man zufrieden. Das ist nun Vergangenheit. Es ist aber nicht ganz wie in der Automobilbranche, in der Zulieferer an einem bestimmten Datum ein Fenster von vier Stunden für die Lieferung haben. Die Luft- und Raumfahrtbranche hat sich also grundlegend verändert. In Großbritannien herrschte innerhalb der Luft- und Raumfahrtbranche die Mentalität eines Job-Shops. GKN hat sich gut an dieses neue Umfeld angepasst und versteht sich als Hersteller auf Weltklasseniveau.

Wie groß ist der Anteil Ihrer Technologieausgaben für angewandte Forschung und Entwicklung mit relativ geringem Risiko und wie groß ist der Anteil der Investitionen in revolutionäre Technologien?

Wir legen großen Wert auf beides. Bei angewandten Technologien achten wir darauf, wie wir Produkte deutlich kostengünstiger produzieren können. Bei den revolutionären Technologien investieren wir insbesondere in Verbundwerkstoffe, die für die kommerzielle Luftfahrt immer wichtiger werden. Jahrelang kam man in diesem Bereich nur langsam voran, aber das ändert sich derzeit schnell. Die nächste große Veränderung wird die nächsten Generation von Schmalrumpfflugzeugen mit sich bringen.

Niemand weiß genau, wann es so weit sein wird, aber es wird sich um ein Flugzeug aus Verbundwerkstoffen handeln. Bevor dies geschieht, müssen jedoch einige revolutionäre Technologien im Bereich der Fertigung und Anwendung von Verbundwerkstoffen entwickelt werden. Derzeit ist ihre Herstellung noch zu teuer und zu langwierig. Flugzeugzellenhersteller werden Fertigungsraten von 50 pro Monat bewältigen müssen. So, wie Verbundwerkstoffe heutzutage hergestellt werden, ist das nicht möglich. Es ist zu kosten- und energieaufwendig. Wir müssen einen radikal neuen Ansatz für die Fertigung von Verbundwerkstoffen finden.

Kürzlich haben wir in Großbritannien ein Projekt mit dem Ziel gestartet, einen Verbundflügel herzustellen, der kostengünstiger als ein Metallflügel ist. Wird er vollkommen anders sein? Ich kann Ihnen sagen, dass [...]

Die Branche entwickelt sich immer weiter und je schneller sich Unternehmen an Veränderungen anpassen können, desto größer sind ihre Erfolgschancen. Unternehmen, die sich nur langsam verändern und erneuern, werden nicht überleben.

Marcus Bryson Chief Executive of Aerospace and Land Systems, GKN