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Cheops: Eines der größten Geheimnisse der Geschichte gelöst

10. November 2011 von Dora Laîné

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Cheops: Eines der größten Geheimnisse der Geschichte gelöst

Seit Jahrhunderten versuchen Forscher Licht ins Dunkel zu bringen, das den Bau der Großen Pyramide von Cheops umgibt: das letzte der sieben noch existierenden Weltwunder der Antike. Vor vier Jahren präsentierte der französische Architekt Jean-Pierre Houdin eine ebenso erstaunliche wie schlüssige Theorie zur Errichtung der Pyramide. In Zusammenarbeit mit Dassault Systèmes (DS) im Rahmen des Programms „Passion for Innovation“ wurde Houdins Theorie in 3D modelliert und simuliert und erschließt faszinierende Einblicke in eines der größten Geheimnisse der Menschheit.

Die auf dem Gizeh-Plateau in Ägypten gelegene Große Pyramide von Cheops wurde für den ägyptischen Pharao Cheops (altägyptisch Chufu) zwischen ca. 2547 und 2524 vor Christus errichtet. Ihre ursprüngliche Höhe von 146.61 m schrumpfte aufgrund von Erosionen auf heute 136.85 m. Sie besteht aus etwa 2 Mio. Steinquadern, von denen jeder im Mittel 2,5 t wiegt. Die genauen Umstände ihrer Errichtung geben Ägyptologen und Wissenschaftlern seit Jahrhunderten Rätsel auf.

Antike griechische Quellen sprechen von „Maschinen“, die zum Anheben der Steinblöcke verwendet wurden, während andere Hypothesen von einer einzelnen Außenrampe ausgehen, auf denen die Blöcke bis zur Pyramidenspitze gezogen wurden. Viele Theorien wurden entwickelt und ebenso viele als technisch undurchführbar oder praxisfern wieder verworfen.

Ein Laie präsentiert eine schlüssige Theorie

Jean-Pierre Houdin hatte eine andere Idee. Auf der Grundlage jahrelanger Forschungsarbeiten und seiner Erfahrung als Architekt präsentierte er eine revolutionäre These: Neben einer kurzen Außenrampe nutzten die Bauleute eine innere Rampe, die spiralförmig in der Pyramide verlief, um die Blöcke mit einem System aus Gegengewichten nach oben zu bringen.

Die Theorie war vielversprechend. Es fehlte jedoch der wissenschaftliche Beleg. Dieser gelang ihm mit einer Simulation unter Einsatz der 3D-Technologie von DS. Zusammen mit dem Team von DS entwarf Houdin ein digitales Modell einer vollständigen, virtuellen Pyramide mit sämtlichen geometrischen und physischen Attributen. Die Simulation bewies, dass Houdins Theorie in der Praxis umsetzbar war und lieferte eine plausiblere Erklärung zur Bauweise der Pyramide als alle bisherigen Ansätze. Bis heute ist dies die einzige wissenschaftlich geprüfte Theorie.

Laut Houdin wurde die erste Rampe als gerade Außenrampe errichtet. Mit einer Steigung von 7% diente sie dazu, das untere Drittel der Pyramide zu bauen. Nachdem dieses fertiggestellt worden war, wurde eine zweite innere Rampe errichtet, die spiralförmig an den Innenwänden der Pyramide entlanglief, um den Bau fertigzustellen.

Die Errichtung der Königskammer

Ein weiteres Geheimnis verbirgt sich hinter der Bauweise der Königskammer. Cheops beauftragte seine Architekten mit dem Bau einer Grabkammer mit einem flachen statt des üblichen gewölbten Daches. Da nur besonders schwere Granitsteine für die Decke infrage kamen, war ein System mit Gegengewichten notwendig, ähnlich wie bei modernen Kränen, um die Steine an der schiefen Ebene von der Großen Galerie bis zur Königskammer hochzuziehen.

Nach Houdin sind die kleinen quadratischen Vertiefungen in den Galeriewänden und die Kratzspuren entlang der Steinbänke auf dem Boden an beiden Seiten der Wand über die gesamte Länge des steil ansteigenden Gangs Beweis für ein inneres Rollensystem, das man verwendet hat, um die schweren Granitblöcke zur Decke zu ziehen. Dies schien zwar ebenfalls die Theorie eines Systems mit Gegengewichten zu belegen, musste aber gegenüber Skeptikern erst noch bewiesen werden.

Kerben - das Puzzle vervollständigt sich

Während eines Besuchs des Gizeh-Plateaus entdeckte Houdin deutliche, parallel laufende Linien an der Außenwand der Großen Pyramide, die in einer Steigung von 7% genau dort verliefen, wo sich nach Ansicht von Houdin die innere Rampe befand. Houdin erkannte, dass diese Linien zu einer Kerbe führten. Er ist davon überzeugt, dass sich die Kerbe an der Stelle befindet, an der man die Blöcke an den Kanten der Pyramide um 90° gedreht hat, um sie weiter nach oben befördern zu können. Seine Nachforschungen waren damit aber nicht abgeschlossen.

Bobs Raum

2008 erhielt der amerikanische Ägyptologe Bob Brier von den ägyptischen Behörden die Genehmigung, die Kerbe zu untersuchen. Als er die Außenseite der Pyramide bestieg, entdeckte er, dass die Kerbe in einen 3 x 3 m großen Raum an der Nordostseite der Pyramide führte. Mit einer Kamera, einem Messband und einer kleinen Taschenlampe ausgerüstet, zeichnete Brier so viele Informationen wie möglich auf und reichte sie an Houdin, mit weiteren Daten zur Analyse, weiter.

Das DS-Team gab daraufhin die neu gewonnenen Daten in die Computer ein. Der Raum wurde in 3D virtuell modelliert und erhielt den Namen „Bobs Raum“. Brier hatte für diesen Raum eine schlüssige Erklärung: „Es ist unwahrscheinlich, dass sich dieser Raum zufällig hinter der Kerbe befindet. Ich bin davon überzeugt, dass der Raum für den Bau der Pyramide genutzt wurde.“

Vorkammern - die neueste Entdeckung

Während der weiteren Forschungsarbeiten erkannte Houdin, dass die massiven Strukturen der Pyramiden einer bestimmten Logik folgten, bei der nachfolgende Architekten auf die vorherigen Bautechniken zurückgriffen. Offenbar war diese Logik beim Bau der Cheops-Pyramide nicht vollständig eingehalten worden. Dies betraf beispielsweise die abweichende Ausrichtung der Gänge und der Großen Galerie in Bezug zur Nord-Süd-Achse. Gleichzeitig entdeckte er eine Parallele zwischen der Cheops-Pyramide und der Roten Pyramide, der letzten Pyramide, die sich Pharao Snefru, der Vater von Cheops, errichten ließ. Diese vor der Cheops-Pyramide gebaute Pyramide beherbergt eine Grabkammer, der zwei Vorkammern vorgelagert sind, die zur Aufbewahrung der Grabbeigaben für den Verstorbenen dienten. Houdin wunderte sich über diese Abweichung gegenüber den vorherigen Konstruktionen. Warum gab es in der Cheops-Pyramide keine Vorkammern zur Aufbewahrung von Grabbeigaben?

Houdin legte die Baupläne beider Pyramiden übereinander und verfolgte mithilfe der DS-Lösungen die Route durch den Gang und die Vorkammern der Roten Pyramide, sodass diese zu den Vorkammern der Cheops-Kammer wurden. Die übereinandergelagerte Anordnung in 3D war perfekt. Zwar hält Houdin noch nicht den archäologischen Beweis in den Händen, um seine Theorie zweifelsfrei belegen zu können. Aber dank 3D-Modellierung und -Simulation kann er sich auf geschichtliche Erkenntnisse berufen, auf eine durchgehende Logik und auf genaue geometrische Berechnungen, die eine Erklärung für eine Vielzahl ungewöhnlicher Merkmale in der Anordnung der Pyramide sind.